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Gräuel der Verwüstung (eine Endzeitbetrachtung) Eine der am meisten umstrittenen Endzeitaussage dürfte der Begriff "Gräuel der Verwüstung" sein, der schon im Alten Testament im Buch Daniel, Kap. 9-11 vor kommt und dort konkret in Kap. 11,31.genannt wird. Eine besondere Aktualität hat dieser Begriff, da er von Jesus selbst in Mt. 24:15 in Bezug auf die "Endzeit" wieder aufgegriffen wird. Ich beginne mit dem prophetisch-historischen Sinn. Dieser bildet jedoch nach jüdisch-christlichem Verständnis nicht die Erschöpfung des Textsinnes, sondern einen paradigmatischen Fall: ein äußeres Zeichen für eine tiefere geistige Realität, welche über eine rein historisch-kritische Betrachtung hinaus geht und uns an eine mehrschichtige Deutung im Sinne des urchristlichen, anagogischen1 Entsprechungssinns (Swedenborg) heranführen will. Daniel 11,31 spricht davon, dass Kräfte „das tägliche Opfer abschaffen und den Gräuel der Verwüstung aufstellen“. Im wörtlich-historischen Sinn bezieht sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Maßnahmen des Seleukidenkönigs Antiochos IV. Epiphanes (2. Jh. v. Chr.) und dessen: Entweihung des Jerusalemer Tempels Aufhebung des Opferkults Aufstellung eines heidnischen Altars bzw. Zeusbildes Der vertiefte, anagogische Schriftsinn bei Jesus Christus Wenn nun Jesus Christus in Matthäus 24,15 erneut auf den „Gräuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet ist“ verweist, geschieht Folgendes: 1. Transzendierung der Geschichte Jesus versteht Daniel nicht nur rückblickend, sondern typologisch und zukunftsoffen. Der „Gräuel“ ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein wiederkehrendes Muster. 2. Verschiebung vom Tempel zum Heilsgeschehen Für die Urchristen ist der Tempel nicht mehr primär ein Gebäude, sondern: der Ort der Offenbarung Gottes, später die Gemeinde, letztlich auch das menschliche Herz als Ort der Gottesgegenwart. 3. Anagogische Perspektive Der Hinweis Jesu steht im Kontext der Endzeitrede: Der „Gräuel der Verwüstung“ markiert einen Kulminationspunkt geistlicher Verfinsterung. Er ist Zeichen dafür, dass das Heilige äußerlich fortbesteht, innerlich aber entleert oder pervertiert wurde. Anagogisch verstanden weist der Text also auf einen Zustand hin, in dem Gott noch benannt, aber nicht mehr erkannt wird. Konkret ausgedrückt „Gräuel“ (abomination) = die Verbindung von Falschem mit Bösem, insbesondere wenn sie im religiösen Kontext auftritt. „Verwüstung“ (desolation) = das völlige Fehlen oder Auslöschen von Wahrheit, obwohl noch religiöse Formen vorhanden sind. „Heiliger Ort“ / Tempel = nicht ein Gebäude, sondern die Kirche als Trägerin göttlicher Wahrheit, sowohl kollektiv als auch im Individuum. In swedenborgischer Entsprechungslehre bedeutet also der „Gräuel der Verwüstung“: Die Profanierung des Heiligen, indem göttliche Wahrheiten äußerlich bekannt, innerlich aber geleugnet, verfälscht oder zur Selbstrechtfertigung missbraucht werden. Das „tägliche Opfer“ entspricht der lebendigen Verbindung von Liebe und Wahrheit. Dessen Abschaffung bedeutet, dass Religion zur bloßen Lehre, Moral oder Machtstruktur wird. Der „Gräuel“ steht dort, „wo er nicht soll“, wenn Selbstliebe, Herrschsucht oder falsche Lehre den Platz göttlicher Wahrheit einnehmen. Er symbolisiert einen Zustand der Kirche (und des Menschen) also, in dem Wahrheit bekannt, aber nicht gelebt wird, das Heilige instrumentalisiert wird, und dadurch geistliche Verwüstung entsteht. Der „Gräuel der Verwüstung“ ist damit kein einzelnes Objekt oder Ereignis, sondern ein geistlicher Zustand höchster Gefährdung, weil er religiös legitimiert erscheint. Die Rechtfertigungslehre - Kernkonzept der „Verwüstung“? Für Swedenborg ist die klassische Trinitätslehre und daraus abgeleitet die Rechtfertigungslehre allein aus Glauben (sola fide) nicht lediglich eine problematische Lehrmeinung unter anderen, sondern der zentrale Mechanismus der "geistlichen Verwüstung" der Kirche. Er versteht sie als: Trennung von Wahrheit und Leben → Wahrheit wird gewusst, aber nicht getan. Aufhebung der inneren Umkehr → Buße, Wiedergeburt und tatsächliche Lebensänderung verlieren ihre Notwendigkeit. Instrumentalisierung des Heiligen → Christus und das Kreuz werden zu juristischen Mitteln der Zurechnung, nicht zu Kräften der inneren Verwandlung. Genau dies erfüllt bei Swedenborg die Definition von: „Verwüstung“ = Entzug der Wahrheit vom Guten, „Gräuel“ = Profanierung des Göttlichen durch falsche Lehre. Konkret heißt das: Wenn der zentrale "Busse Gedanke" fehlt besteht der Gräuel der Verwüstung darin, dass das "beständige" (korrektere Übersetzung als "tägliches") Opfer abgeschafft wird. Damit wäre die Abschaffung des ursprünglichen und damit auch urchristlichen Buße-Verständnisses gemeint, wie es Swedenborg in all seinen Schriften ankreidet. Dies würde bedeuten: Aufgehoben wurde das wichtigste Grundverständnis des Christseins, nämlich: "Dass man gegen die Sünde mit allen Mitteln und wie ganz aus sich selbst kämpfen muss - und dabei doch ganz aus Gott"! Genau hier tritt ein diametraler Gegensatz auf: Denn die Rechtfertigungslehre bezeichnet dies als "Werkgerechtigkeit" und hebt diesen Gedanken damit auf, indem behauptet wird: "Der Glaube allein ohne Werke rechtfertigt". Die Konsequenz im Leben: Es wird so nie alles gegeben um siegreich über die Sünde zu werden, in den Versuchungen, sondern der Gläubige wird von ihr überwältigt, der sich nun einredet, der Glaube wird ihn schon erretten. Das wird er nicht. Es geschieht so nur der Abbruch der wahren Busse (die Abschaffung des beständigen Opfers) verbleib der Sünden und Geburt der Scheinheiligkeit und Lieblosigkeit im Glaubensmenschen, die bestenfalls noch in Lauheit und Weltlichkeit endet. Die Abschaffung des „täglichen Opfers“ aufgrund der Rechtfertigungslehre bedeutet also in der Konsequenz des täglichen Christenlebens überspitzt ausgedrückt: Die Rechtfertigunglehre ermöglicht "Christ-Sein ohne Christ sein zu müssen." In kritischen Schriften wird sie daher auch als das "Ruhekissen des Christseins" bezeichnet. Dass Paulus in seinen Briefen keine Rechtfertigunglehre entwickelt hat, sondern von "Werke" die nicht gerecht machen können von den jüdischen Gesetzeswerken (also jegliche Rituale) des mosaischen Gesetzes sprach, ist in der kritischen Bibelexegese bekannt, wird aber theologisch nach wie vor geleugnet, da man darin immer noch eine nicht ausgegorene Rechtfertigungslehre hinein interpretieren kann. Dem widerspricht aber nicht nur der rein historische Konsens der damaligen Zeit sondern auch der aller frühchristlichen Schriften der ersten 3 Jahrhunderte. Siehe dazu insbesondere die erhaltene und wiederentdeckte Auslegung des Römerbriefes von Origenes (185-254 n.Chr.) , die eine Interpretation der Rechtfertigungslehre formal ausschließt. Origenes Einfluss in der frühen Gesamtkirche war so groß, dass er zumindest einen Diskurs mit einer anderen, herrschenden Meinung der im bestens bekannten Urkirche aufgenommen hätte. Davon findet sich keine Spur, aber bemerkenswerter Weise auch bei keinem anderen frühchristlichen Schriftsteller seiner Zeit und der Zeit davor. (Siehe: Fontes Christiani, Origenes, Commentarii in epistulam ad romanos, Römerbriefkommentar 5 Bände, Herder-Verlag) Kurzum: Theologisch bildet die Rechtfertigungslehre auch heute noch das Herzstück ("heiliger Ort") des Christentums in praktisch allen christlichen Kirchen und wird von diesen obwohl sie wissenschaftlich längst überholt ist, energisch verteidigt, denn sie ist bequem und belässt Wahrheit im Intellekt, verlegt Heil in eine äußere Zurechnung, und macht das tägliche Opfer faktisch überflüssig. Damit ist das Opfer nicht gewaltsam zerstört, sondern dogmatisch neutralisiert – eine weitaus subtilere Form der Verwüstung. Der „Gräuel im heiligen Ort“ Der „heilige Ort“ entspricht: der Kirche als Lehrträgerin, dem Wort, und im Innersten dem menschlichen Gewissen. Dass dort eine Lehre steht, die: das Gute vom Heil trennt, Werke als irrelevant oder sogar gefährlich für die Rechtfertigung erklärt, und dennoch den Namen Christi führt, ist für Swedenborg der paradigmatische Fall des Gräuels, weil: Das Heilige nicht geleugnet, sondern falsch bekannt und missbraucht wird. Warum „verwüstend“ den Kern des Geschehens beschreibt Für Swedenborg ist nicht der offenbare Unglaube der gefährlichste Zustand, sondern verfälschter Glaube. Die Rechtfertigungslehre wirkt verwüstend, weil sie: 1. geistliche Sicherheit suggeriert, wo keine Wiedergeburt stattfindet, 2. das Gewissen beruhigt, ohne das Leben zu reformieren, 3. den Menschen in einer inneren Spaltung belässt: Denken orthodox, Leben selbstbezogen. Damit erfüllt sie exakt Jesu Warnung in Matthäus 24: äußerlich fromme Formen, innerlich Entleerung, verbunden mit großer Verführung. Der endzeitliche Charakter Swedenborg versteht die Endzeit nicht primär chronologisch, sondern qualitativ: „Ende der Kirche“ = Ende ihrer inneren Wahrheit. Der „Gräuel der Verwüstung“ ist daher der Schlusspunkt, nicht der Anfang. Die Rechtfertigungslehre markiert diesen Punkt, weil sie: Christus bekennt, aber seine Forderung nach Nachfolge im Leben suspendiert, und so das Christentum in eine rein deklarative Religion verwandelt. Zugespitzt formuliert: Der „Gräuel der Verwüstung“ ist die im Heiligtum der Kirche errichtete Lehre, dass der Mensch ohne innere Erneuerung, allein durch zugerechnete Gerechtigkeit, gerechtfertigt sei – eine Lehre, die Wahrheit kennt, aber das Leben davon trennt, und dadurch das Christentum geistlich entleert. Das „beständige Opfer“ (hebr. tamid) als Schlüsselbegriff Tamid bedeutet nicht primär „täglich“, sondern ununterbrochen, kontinuierlich, dauerhaft. Im swedenborgianischen Entsprechungssinn bezeichnet das „beständige Opfer“: den fortwährenden Akt der inneren Umkehr, der Selbstprüfung, des Widerstands gegen das Böse und der erneuten Hinwendung zum Guten – im Bewusstsein, wie aus sich, aber dass dafür alle Kraft allein vom Herrn kommt. Es geht also nicht um einzelne Bußakte, sondern um eine dauerhafte Haltung des geistlichen Lebens. Urchristliches Bußverständnis = geistlicher Kampf Dieses Verständnis ist tatsächlich urchristlich und vorreformatorisch durchgängig bestehend: Buße ist kein einmaliger Akt, sondern ein lebenslanger Kampf gegen die Sünde, geführt „wie aus sich selbst“ (sicut a se), und doch in der Anerkennung: alle Kraft kommt von Gott. Genau diese Spannung ist für Swedenborg konstitutiv für die Wiedergeburt: Ohne den Kampf keine Reinigung, ohne Anerkennung des göttlichen Wirkens kein Heil. Die Rechtfertigungslehre als Aufhebung dieses Prinzips Hier liegt – swedenborgianisch gesprochen – der eigentliche Skandal. Swedenborg argumentiert nicht, dass Luther „Werke“ ablehnte, sondern dessen Umdeutung der sogenannten "Werkgerechtigkeit", was in der Konsequenz heißt, dass er: den inneren Kampf gegen die Sünde mit äußerer Selbstgerechtigkeit gleichsetzte. Dadurch wurde diskreditiert, was in Wahrheit das Herz christlicher Buße ist: der aktive Widerstand gegen das Böse im eigenen Willen. Das Ergebnis: Der Mensch soll nicht mehr kämpfen, sondern nun noch glauben, dass gekämpft worden sei (durch Christus an seiner Stelle). Abschaffung des beständigen Opfers = Abbruch der wahren Buße drückt diesen Zustand also exegetisch wie theologisch äußerst präzise aus: Die Abschaffung des „beständigen Opfers“ bedeutet die Abschaffung des fortwährenden inneren Bußkampfes als heilsnotwendige Praxis. In der Konsequenz heißt das: das Böse verbleibt im Willen, wird aber bewusst nicht als heilsgefährdend bekämpft, sondern geglaubt, es werde durch eine zugerechnete Gerechtigkeit neutralisiert. Die geistlichen Konsequenzen 1. Kein radikaler Kampf gegen die Sünde → Versuchungen werden nicht bis zum Sieg durchstanden. 2. Vertröstung durch Glaubensgewissheit → „Der Glaube wird mich retten“, unabhängig vom Lebenszustand. 3. Verbleib der Sünden → nicht nur faktisch, sondern legitimiert. 4. Geburt der Scheinheiligkeit → äußere Frömmigkeit anstelle erfolgter Wiedergeburt. 5. Endzustand: Lauheit und Weltlichkeit → genau der Zustand, den die Offenbarung als am gefährlichsten beschreibt. Swedenborg formuliert es scharf, aber im Kontext der urchristlichen Schriftsteller: Wo keine Buße ist, da ist kein Christentum – selbst wenn Christus bekannt wird. Die Bezeichnung „Gräuel“ Damit wird auch klar, warum dies nicht bloß Irrtum, sondern Gräuel ist: Das Böse wird nicht mehr bekämpft, sondern sogar unter Berufung auf Christus gedeckt. Das Heiligste (das Erlösungswerk) wird benutzt, um den Menschen in seiner Unheiligkeit zu bestätigen. Das ist Profanation, ja Entweihung und Entheiligung im unübertrefflichen Wortsinn von "Gräuel" als Sakrilegs-Begriff. Abschließende theologische Verdichtung Der „Gräuel der Verwüstung“ besteht darin, dass der fortwährende Bußkampf – das beständige Opfer des alten Menschen – als Werkgerechtigkeit diffamiert und abgeschafft wurde, wodurch der Mensch im Bösen verbleibt, sich aber durch Glaubensgewissheit für gerecht hält. Dies zerstört die innere Kirche und macht wahre Wiedergeburt faktisch unmöglich. Damit ist Buße nicht ein Randthema, sondern der Angelpunkt, an dem sich entscheidet, ob Christsein real oder bloß nominell ist. Liebe ist eine Sache des Willens, nicht des Bekenntnisses Für Swedenborg ebenso wie im Urchristentum ist Liebe (caritas) niemals primär Gefühl, Gesinnung oder Lehrinhalt, sondern: die Neigung des Willens, das Gute zu tun bzw. das Böse zu "fliehen". Der Wille aber ist der Sitz: der Gewohnheiten, der Begierden, der dominierenden Lebensliebe (amor regnans). Solange dieser Wille nicht gereinigt wird, kann von christlicher Liebe nicht real, sondern nur nominal gesprochen werden. Warum Bußkampf unerlässlich ist Der Konsens ist hier bei Swedenborg und im Urchristentum beinahe wortgleich und für viele "Wortchristen" wohl sehr ernüchternd: Liebe kann nicht „hinzugefügt“ werden, solange das Böse nicht entfernt wird. Und entfernt wird es ausschließlich durch: Erkennen der eigenen Sünden, Widerstand gegen sie, und Abwendung von ihnen als Sünden gegen Gott. Ohne diesen Kampf bleibt das Böse regierend im Willen während es zugleich den Verstand unterordnet und diesen zur Rechtfertigung dieses Zustandes missbraucht. Was geschieht, wenn der Bußkampf entfällt Wenn – wie in der Rechtfertigungslehre – der innere Kampf als heilsentscheidend relativiert oder aufgehoben wird, geschieht Folgendes: Die Liebe wird vom Leben getrennt, ja "Liebe" wird zur: Gesinnung, Haltung, theologischen Kategorie, oder Emotion. Aber sie wird nicht mehr: konkrete Tat, Opfer, Selbstverleugnung, Durchhalten im Guten gegen Widerstand und Versuchungen. Damit wird sie abstrakt. Es erfolgt die Umdeutung der Liebe in einen "verwüsteten" Zustand Ohne Bußkampf wird Liebe zwangsläufig neu definiert: 1. Liebe als Toleranz gegen die Sünde → zudeckende Werkgerechtigkeit anstatt echter Hingabe. 2. Liebe als Zustimmung → Akzeptanz ohne Wahrheit. 3. Liebe als Gefühl → emotionale Wärme (heilige Stimmungen) ohne moralische Konsequenz. 4. Liebe als Bekenntnis → „Ich glaube an die Liebe“, unabhängig vom Lebenswandel. Die Beurteilung im Urchristentum wie auch bei Swedenborg dazu: Das ist nicht Liebe, sondern eine Maskierung der Selbstliebe. Das entscheidende Resultat: Die Selbstliebe bleibt herrschend Ohne Bußkampf bleibt die Eigenliebe (amor sui) ungebrochen. Diese Eigenliebe: kann freundlich auftreten, religiös sprechen, von Liebe reden, aber sie liebt letztlich: sich selbst, die eigene Bestätigung (von Heiligkeit) in Gemeinde und Kirche, die eigene Rechtfertigung. Deshalb sagt Swedenborg: Wer das Böse nicht "flieht", liebt nicht den Nächsten, sondern nur sich selbst im Nächsten. Warum die Lehre von der Liebe dann zwangsläufig entleert wird Darin liegt ein weiterer sehr unterschätzter Zusammenhang: Liebe ohne Buße verliert ihren Gegenstand. Denn Liebe richtet sich in ihrer unzertrennlichen Verbindung mit der Buße immer gegen etwas: gegen das Böse, gegen die eigene Bequemlichkeit, gegen den inneren Widerstand. Ohne diesen Widerstand: gibt es nichts mehr zu überwinden, nichts mehr zu opfern, nichts mehr hinzugeben. Die Liebe wird formlos. Der diametrale Unterschied zum „beständigen Opfer“ Das beständige Opfer war: fortwährende Selbsthingabe, tägliches Sterben des alten Menschen. Wird es abgeschafft: bleibt zwar die Sprache der Liebe, aber nicht mehr ihr Inhalt. Oder swedenborgianisch und urchristlich zugespitzt: Wo keine Buße ist, da gibt es keine Liebe; wo keine Liebe ist, da ist kein Glaube; und wo kein Glaube ist, da ist kein Christentum – auch wenn der Name noch besteht. Abschließende Zusammenfassung Die Rechtfertigungslehre ist das Paradigma des "Gräuels der Verwüstung". Christlich gesprochen ist es die satanischste Verführung aller Zeiten und wird von Swedenborg (nicht von ungefähr) in seiner Auslegung der Offenbarung als das "Tier" und der "Drache" benannt, welcher das Christentum zerstört hat. Denn ohne den fortwährenden Bußkampf bleibt das Böse im Willen unberührt. Da Liebe eine Sache des Willens ist, kann sie sich nicht bilden. Die Lehre von der Liebe wird dadurch notwendigerweise entleert, psychologisiert oder ideologisiert. Sie bleibt Rede, aber wird nicht Leben. Damit schließt sich der Kreis: Die Abschaffung des beständigen Opfers in der Christenheit bewirkte: → Abbruch der Buße → Verbleib der Sünde → Entleerung der Liebe → Verwüstung der Kirche.
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Gräuel der Verwüstung (eine Endzeitbetrachtung) Eine der am meisten umstrittenen Endzeitaussage dürfte der Begriff "Gräuel der Verwüstung" sein, der schon im Alten Testament im Buch Daniel, Kap. 9-11 vor kommt und dort konkret in Kap. 11,31.genannt wird. Eine besondere Aktualität hat dieser Begriff, da er von Jesus selbst in Mt. 24:15 in Bezug auf die "Endzeit" wieder aufgegriffen wird. Ich beginne mit dem prophetisch-historischen Sinn. Dieser bildet jedoch nach jüdisch- christlichem Verständnis nicht die Erschöpfung des Textsinnes, sondern einen paradigmatischen Fall: ein äußeres Zeichen für eine tiefere geistige Realität, welche über eine rein historisch-kritische Betrachtung hinaus geht und uns an eine mehrschichtige Deutung im Sinne des urchristlichen, anagogischen1 Entsprechungssinns (Swedenborg) heranführen will. Daniel 11,31 spricht davon, dass Kräfte „das tägliche Opfer abschaffen und den Gräuel der Verwüstung aufstellen“. Im wörtlich-historischen Sinn bezieht sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Maßnahmen des Seleukidenkönigs Antiochos IV. Epiphanes (2. Jh. v. Chr.) und dessen: Entweihung des Jerusalemer Tempels Aufhebung des Opferkults Aufstellung eines heidnischen Altars bzw. Zeusbildes Der vertiefte, anagogische Schriftsinn bei Jesus Christus Wenn nun Jesus Christus in Matthäus 24,15 erneut auf den „Gräuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet ist“ verweist, geschieht Folgendes: 1. Transzendierung der Geschichte Jesus versteht Daniel nicht nur rückblickend, sondern typologisch und zukunftsoffen. Der „Gräuel“ ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein wiederkehrendes Muster. 2. Verschiebung vom Tempel zum Heilsgeschehen Für die Urchristen ist der Tempel nicht mehr primär ein Gebäude, sondern: der Ort der Offenbarung Gottes, später die Gemeinde, letztlich auch das menschliche Herz als Ort der Gottesgegenwart. 3. Anagogische Perspektive Der Hinweis Jesu steht im Kontext der Endzeitrede: Der „Gräuel der Verwüstung“ markiert einen Kulminationspunkt geistlicher Verfinsterung. Er ist Zeichen dafür, dass das Heilige äußerlich fortbesteht, innerlich aber entleert oder pervertiert wurde. Anagogisch verstanden weist der Text also auf einen Zustand hin, in dem Gott noch benannt, aber nicht mehr erkannt wird. Konkret ausgedrückt „Gräuel“ (abomination) = die Verbindung von Falschem mit Bösem, insbesondere wenn sie im religiösen Kontext auftritt. „Verwüstung“ (desolation) = das völlige Fehlen oder Auslöschen von Wahrheit, obwohl noch religiöse Formen vorhanden sind. „Heiliger Ort“ / Tempel = nicht ein Gebäude, sondern die Kirche als Trägerin göttlicher Wahrheit, sowohl kollektiv als auch im Individuum. In swedenborgischer Entsprechungslehre bedeutet also der „Gräuel der Verwüstung“: Die Profanierung des Heiligen, indem göttliche Wahrheiten äußerlich bekannt, innerlich aber geleugnet, verfälscht oder zur Selbstrechtfertigung missbraucht werden. Das „tägliche Opfer“ entspricht der lebendigen Verbindung von Liebe und Wahrheit. Dessen Abschaffung bedeutet, dass Religion zur bloßen Lehre, Moral oder Machtstruktur wird. Der „Gräuel“ steht dort, „wo er nicht soll“, wenn Selbstliebe, Herrschsucht oder falsche Lehre den Platz göttlicher Wahrheit einnehmen. Er symbolisiert einen Zustand der Kirche (und des Menschen) also, in dem Wahrheit bekannt, aber nicht gelebt wird, das Heilige instrumentalisiert wird, und dadurch geistliche Verwüstung entsteht. Der „Gräuel der Verwüstung“ ist damit kein einzelnes Objekt oder Ereignis, sondern ein geistlicher Zustand höchster Gefährdung, weil er religiös legitimiert erscheint. Die Rechtfertigungslehre - Kernkonzept der „Verwüstung“? Für Swedenborg ist die klassische Trinitätslehre und daraus abgeleitet die Rechtfertigungslehre allein aus Glauben (sola fide) nicht lediglich eine problematische Lehrmeinung unter anderen, sondern der zentrale Mechanismus der "geistlichen Verwüstung" der Kirche. Er versteht sie als: Trennung von Wahrheit und Leben → Wahrheit wird gewusst, aber nicht getan. Aufhebung der inneren Umkehr → Buße, Wiedergeburt und tatsächliche Lebensänderung verlieren ihre Notwendigkeit. Instrumentalisierung des Heiligen → Christus und das Kreuz werden zu juristischen Mitteln der Zurechnung, nicht zu Kräften der inneren Verwandlung. Genau dies erfüllt bei Swedenborg die Definition von: „Verwüstung“ = Entzug der Wahrheit vom Guten, „Gräuel“ = Profanierung des Göttlichen durch falsche Lehre. Konkret heißt das: Wenn der zentrale "Busse Gedanke" fehlt besteht der Gräuel der Verwüstung darin, dass das "beständige" (korrektere Übersetzung als "tägliches") Opfer abgeschafft wird. Damit wäre die Abschaffung des ursprünglichen und damit auch urchristlichen Buße-Verständnisses gemeint, wie es Swedenborg in all seinen Schriften ankreidet. Dies würde bedeuten: Aufgehoben wurde das wichtigste Grundverständnis des Christseins, nämlich: "Dass man gegen die Sünde mit allen Mitteln und wie ganz aus sich selbst kämpfen muss - und dabei doch ganz aus Gott"! Genau hier tritt ein diametraler Gegensatz auf: Denn die Rechtfertigungslehre bezeichnet dies als "Werkgerechtigkeit" und hebt diesen Gedanken damit auf, indem behauptet wird: "Der Glaube allein ohne Werke rechtfertigt". Die Konsequenz im Leben: Es wird so nie alles gegeben um siegreich über die Sünde zu werden, in den Versuchungen, sondern der Gläubige wird von ihr überwältigt, der sich nun einredet, der Glaube wird ihn schon erretten. Das wird er nicht. Es geschieht so nur der Abbruch der wahren Busse (die Abschaffung des beständigen Opfers) verbleib der Sünden und Geburt der Scheinheiligkeit und Lieblosigkeit im Glaubensmenschen, die bestenfalls noch in Lauheit und Weltlichkeit endet. Die Abschaffung des „täglichen Opfers“ aufgrund der Rechtfertigungslehre bedeutet also in der Konsequenz des täglichen Christenlebens überspitzt ausgedrückt: Die Rechtfertigunglehre ermöglicht "Christ-Sein ohne Christ sein zu müssen." In kritischen Schriften wird sie daher auch als das "Ruhekissen des Christseins" bezeichnet. Dass Paulus in seinen Briefen keine Rechtfertigunglehre entwickelt hat, sondern von "Werke" die nicht gerecht machen können von den jüdischen Gesetzeswerken (also jegliche Rituale) des mosaischen Gesetzes sprach, ist in der kritischen Bibelexegese bekannt, wird aber theologisch nach wie vor geleugnet, da man darin immer noch eine nicht ausgegorene Rechtfertigungslehre hinein interpretieren kann. Dem widerspricht aber nicht nur der rein historische Konsens der damaligen Zeit sondern auch der aller frühchristlichen Schriften der ersten 3 Jahrhunderte. Siehe dazu insbesondere die erhaltene und wiederentdeckte Auslegung des Römerbriefes von Origenes (185-254 n.Chr.) , die eine Interpretation der Rechtfertigungslehre formal ausschließt. Origenes Einfluss in der frühen Gesamtkirche war so groß, dass er zumindest einen Diskurs mit einer anderen, herrschenden Meinung der im bestens bekannten Urkirche aufgenommen hätte. Davon findet sich keine Spur, aber bemerkenswerter Weise auch bei keinem anderen frühchristlichen Schriftsteller seiner Zeit und der Zeit davor. (Siehe: Fontes Christiani, Origenes, Commentarii in epistulam ad romanos, Römerbriefkommentar 5 Bände, Herder-Verlag) Kurzum: Theologisch bildet die Rechtfertigungslehre auch heute noch das Herzstück ("heiliger Ort") des Christentums in praktisch allen christlichen Kirchen und wird von diesen obwohl sie wissenschaftlich längst überholt ist, energisch verteidigt, denn sie ist bequem und belässt Wahrheit im Intellekt, verlegt Heil in eine äußere Zurechnung, und macht das tägliche Opfer faktisch überflüssig. Damit ist das Opfer nicht gewaltsam zerstört, sondern dogmatisch neutralisiert – eine weitaus subtilere Form der Verwüstung. Der „Gräuel im heiligen Ort“ Der „heilige Ort“ entspricht: der Kirche als Lehrträgerin, dem Wort, und im Innersten dem menschlichen Gewissen. Dass dort eine Lehre steht, die: das Gute vom Heil trennt, Werke als irrelevant oder sogar gefährlich für die Rechtfertigung erklärt, und dennoch den Namen Christi führt, ist für Swedenborg der paradigmatische Fall des Gräuels, weil: Das Heilige nicht geleugnet, sondern falsch bekannt und missbraucht wird. Warum „verwüstend“ den Kern des Geschehens beschreibt Für Swedenborg ist nicht der offenbare Unglaube der gefährlichste Zustand, sondern verfälschter Glaube. Die Rechtfertigungslehre wirkt verwüstend, weil sie: 1. geistliche Sicherheit suggeriert, wo keine Wiedergeburt stattfindet, 2. das Gewissen beruhigt, ohne das Leben zu reformieren, 3. den Menschen in einer inneren Spaltung belässt: Denken orthodox, Leben selbstbezogen. Damit erfüllt sie exakt Jesu Warnung in Matthäus 24: äußerlich fromme Formen, innerlich Entleerung, verbunden mit großer Verführung. Der endzeitliche Charakter Swedenborg versteht die Endzeit nicht primär chronologisch, sondern qualitativ: „Ende der Kirche“ = Ende ihrer inneren Wahrheit. Der „Gräuel der Verwüstung“ ist daher der Schlusspunkt, nicht der Anfang. Die Rechtfertigungslehre markiert diesen Punkt, weil sie: Christus bekennt, aber seine Forderung nach Nachfolge im Leben suspendiert, und so das Christentum in eine rein deklarative Religion verwandelt. Zugespitzt formuliert: Der „Gräuel der Verwüstung“ ist die im Heiligtum der Kirche errichtete Lehre, dass der Mensch ohne innere Erneuerung, allein durch zugerechnete Gerechtigkeit, gerechtfertigt sei – eine Lehre, die Wahrheit kennt, aber das Leben davon trennt, und dadurch das Christentum geistlich entleert. Das „beständige Opfer“ (hebr. tamid) als Schlüsselbegriff Tamid bedeutet nicht primär „täglich“, sondern ununterbrochen, kontinuierlich, dauerhaft. Im swedenborgianischen Entsprechungssinn bezeichnet das „beständige Opfer“: den fortwährenden Akt der inneren Umkehr, der Selbstprüfung, des Widerstands gegen das Böse und der erneuten Hinwendung zum Guten – im Bewusstsein, wie aus sich, aber dass dafür alle Kraft allein vom Herrn kommt. Es geht also nicht um einzelne Bußakte, sondern um eine dauerhafte Haltung des geistlichen Lebens. Urchristliches Bußverständnis = geistlicher Kampf Dieses Verständnis ist tatsächlich urchristlich und vorreformatorisch durchgängig bestehend: Buße ist kein einmaliger Akt, sondern ein lebenslanger Kampf gegen die Sünde, geführt „wie aus sich selbst“ (sicut a se), und doch in der Anerkennung: alle Kraft kommt von Gott. Genau diese Spannung ist für Swedenborg konstitutiv für die Wiedergeburt: Ohne den Kampf keine Reinigung, ohne Anerkennung des göttlichen Wirkens kein Heil. Die Rechtfertigungslehre als Aufhebung dieses Prinzips Hier liegt – swedenborgianisch gesprochen – der eigentliche Skandal. Swedenborg argumentiert nicht, dass Luther „Werke“ ablehnte, sondern dessen Umdeutung der sogenannten "Werkgerechtigkeit", was in der Konsequenz heißt, dass er: den inneren Kampf gegen die Sünde mit äußerer Selbstgerechtigkeit gleichsetzte. Dadurch wurde diskreditiert, was in Wahrheit das Herz christlicher Buße ist: der aktive Widerstand gegen das Böse im eigenen Willen. Das Ergebnis: Der Mensch soll nicht mehr kämpfen, sondern nun noch glauben, dass gekämpft worden sei (durch Christus an seiner Stelle). Abschaffung des beständigen Opfers = Abbruch der wahren Buße drückt diesen Zustand also exegetisch wie theologisch äußerst präzise aus: Die Abschaffung des „beständigen Opfers“ bedeutet die Abschaffung des fortwährenden inneren Bußkampfes als heilsnotwendige Praxis. In der Konsequenz heißt das: das Böse verbleibt im Willen, wird aber bewusst nicht als heilsgefährdend bekämpft, sondern geglaubt, es werde durch eine zugerechnete Gerechtigkeit neutralisiert. Die geistlichen Konsequenzen 1. Kein radikaler Kampf gegen die Sünde → Versuchungen werden nicht bis zum Sieg durchstanden. 2. Vertröstung durch Glaubensgewissheit → „Der Glaube wird mich retten“, unabhängig vom Lebenszustand. 3. Verbleib der Sünden → nicht nur faktisch, sondern legitimiert. 4. Geburt der Scheinheiligkeit → äußere Frömmigkeit anstelle erfolgter Wiedergeburt. 5. Endzustand: Lauheit und Weltlichkeit → genau der Zustand, den die Offenbarung als am gefährlichsten beschreibt. Swedenborg formuliert es scharf, aber im Kontext der urchristlichen Schriftsteller: Wo keine Buße ist, da ist kein Christentum – selbst wenn Christus bekannt wird. Die Bezeichnung „Gräuel“ Damit wird auch klar, warum dies nicht bloß Irrtum, sondern Gräuel ist: Das Böse wird nicht mehr bekämpft, sondern sogar unter Berufung auf Christus gedeckt. Das Heiligste (das Erlösungswerk) wird benutzt, um den Menschen in seiner Unheiligkeit zu bestätigen. Das ist Profanation, ja Entweihung und Entheiligung im unübertrefflichen Wortsinn von "Gräuel" als Sakrilegs-Begriff. Abschließende theologische Verdichtung Der „Gräuel der Verwüstung“ besteht darin, dass der fortwährende Bußkampf – das beständige Opfer des alten Menschen – als Werkgerechtigkeit diffamiert und abgeschafft wurde, wodurch der Mensch im Bösen verbleibt, sich aber durch Glaubensgewissheit für gerecht hält. Dies zerstört die innere Kirche und macht wahre Wiedergeburt faktisch unmöglich. Damit ist Buße nicht ein Randthema, sondern der Angelpunkt, an dem sich entscheidet, ob Christsein real oder bloß nominell ist. Liebe ist eine Sache des Willens, nicht des Bekenntnisses Für Swedenborg ebenso wie im Urchristentum ist Liebe (caritas) niemals primär Gefühl, Gesinnung oder Lehrinhalt, sondern: die Neigung des Willens, das Gute zu tun bzw. das Böse zu "fliehen". Der Wille aber ist der Sitz: der Gewohnheiten, der Begierden, der dominierenden Lebensliebe (amor regnans). Solange dieser Wille nicht gereinigt wird, kann von christlicher Liebe nicht real, sondern nur nominal gesprochen werden. Warum Bußkampf unerlässlich ist Der Konsens ist hier bei Swedenborg und im Urchristentum beinahe wortgleich und für viele "Wortchristen" wohl sehr ernüchternd: Liebe kann nicht „hinzugefügt“ werden, solange das Böse nicht entfernt wird. Und entfernt wird es ausschließlich durch: Erkennen der eigenen Sünden, Widerstand gegen sie, und Abwendung von ihnen als Sünden gegen Gott. Ohne diesen Kampf bleibt das Böse regierend im Willen während es zugleich den Verstand unterordnet und diesen zur Rechtfertigung dieses Zustandes missbraucht. Was geschieht, wenn der Bußkampf entfällt Wenn – wie in der Rechtfertigungslehre – der innere Kampf als heilsentscheidend relativiert oder aufgehoben wird, geschieht Folgendes: Die Liebe wird vom Leben getrennt, ja "Liebe" wird zur: Gesinnung, Haltung, theologischen Kategorie, oder Emotion. Aber sie wird nicht mehr: konkrete Tat, Opfer, Selbstverleugnung, Durchhalten im Guten gegen Widerstand und Versuchungen. Damit wird sie abstrakt. Es erfolgt die Umdeutung der Liebe in einen "verwüsteten" Zustand Ohne Bußkampf wird Liebe zwangsläufig neu definiert: 1. Liebe als Toleranz gegen die Sünde → zudeckende Werkgerechtigkeit anstatt echter Hingabe. 2. Liebe als Zustimmung → Akzeptanz ohne Wahrheit. 3. Liebe als Gefühl → emotionale Wärme (heilige Stimmungen) ohne moralische Konsequenz. 4. Liebe als Bekenntnis → „Ich glaube an die Liebe“, unabhängig vom Lebenswandel. Die Beurteilung im Urchristentum wie auch bei Swedenborg dazu: Das ist nicht Liebe, sondern eine Maskierung der Selbstliebe. Das entscheidende Resultat: Die Selbstliebe bleibt herrschend Ohne Bußkampf bleibt die Eigenliebe (amor sui) ungebrochen. Diese Eigenliebe: kann freundlich auftreten, religiös sprechen, von Liebe reden, aber sie liebt letztlich: sich selbst, die eigene Bestätigung (von Heiligkeit) in Gemeinde und Kirche, die eigene Rechtfertigung. Deshalb sagt Swedenborg: Wer das Böse nicht "flieht", liebt nicht den Nächsten, sondern nur sich selbst im Nächsten. Warum die Lehre von der Liebe dann zwangsläufig entleert wird Darin liegt ein weiterer sehr unterschätzter Zusammenhang: Liebe ohne Buße verliert ihren Gegenstand. Denn Liebe richtet sich in ihrer unzertrennlichen Verbindung mit der Buße immer gegen etwas: gegen das Böse, gegen die eigene Bequemlichkeit, gegen den inneren Widerstand. Ohne diesen Widerstand: gibt es nichts mehr zu überwinden, nichts mehr zu opfern, nichts mehr hinzugeben. Die Liebe wird formlos. Der diametrale Unterschied zum „beständigen Opfer“ Das beständige Opfer war: fortwährende Selbsthingabe, tägliches Sterben des alten Menschen. Wird es abgeschafft: bleibt zwar die Sprache der Liebe, aber nicht mehr ihr Inhalt. Oder swedenborgianisch und urchristlich zugespitzt: Wo keine Buße ist, da gibt es keine Liebe; wo keine Liebe ist, da ist kein Glaube; und wo kein Glaube ist, da ist kein Christentum – auch wenn der Name noch besteht. Abschließende Zusammenfassung Die Rechtfertigungslehre ist das Paradigma des "Gräuels der Verwüstung". Christlich gesprochen ist es die satanischste Verführung aller Zeiten und wird von Swedenborg (nicht von ungefähr) in seiner Auslegung der Offenbarung als das "Tier" und der "Drache" benannt, welcher das Christentum zerstört hat. Denn ohne den fortwährenden Bußkampf bleibt das Böse im Willen unberührt. Da Liebe eine Sache des Willens ist, kann sie sich nicht bilden. Die Lehre von der Liebe wird dadurch notwendigerweise entleert, psychologisiert oder ideologisiert. Sie bleibt Rede, aber wird nicht Leben. 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